Dr. Cristina Barth Frazzetta
Co-Founder & COO
Persönliches Wachstum basiert auf dem Erreichen persönlicher Ziele, aber dazu braucht es zuallererst eine persönliche Zukunfts-Vision.
Als ich, vor inzwischen 28 Jahren, aus dem Medizinbetrieb ausstieg, um zukünftig primär-präventiv tätig zu werden, war das eine der größten Neu-Orientierungen in meinem Leben. Übrigens nicht nur beruflich, denn „disruptive“ Entscheidungen ziehen immer auf allen Ebenen Veränderungen nach sich.
Ich ging den Schritt, weil ich mich mit vielem in meinem beruflichen Leben nicht identifizieren konnte. Was ich stattdessen erreichen wollte, hätte ich aber nicht genau sagen können.
Wie es in solchen Situationen oft ist, begegnete mir das richtige Buch. Steven Covey „Der Weg zum Wesentlichen“. Der Autor war in den späten 80er Jahren einer der angesagtesten Zeitmanagement Gurus in den USA. Zu der Zeit, als ich auf der Suche nach meinem Weg war, war er aber schon zu einem wunderbar weisen Berater mit ganzheitlichem Ansatz gereift. Er hatte nämlich beobachtet, dass alle Zeit- und Selbst-Management Tools, die er entwickelt und viele Jahre lang geschult hatte, wenig nachhaltige Wirkung zeigten. Er fand heraus, dass es keinen Sinn hat, die 24 Stunden des Tages besser zu managen, solange nicht klar ist, wohin man langfristig will.
Wie man das herausfinden kann, beschrieb er in diesem Buch und damit holte er mich total ab.
Ich begann, mich durch einen Teil der Übungen zu arbeiten. So fragte ich mich zum Beispiel, was ich mit 80 über mein Leben sagen können möchte und was ich dann gern von anderen über mich und mein Wirken hören möchte. Ich erarbeitete meine wichtigsten persönlichen Werte, die mich womöglich mein ganzes Leben lang begleiten und mich in Entscheidungs-Situationen leiten sollten.
Erst nach dieser Arbeit an meinem Lebensziel und meinen Grundeinstellungen widmete ich mich meinen konkreten lang-, mittel,- und kurzfristigen Zielen.
Ich merkte schnell, wie gut mir das tat und wie es mir half, immer wieder eine Wahl zu treffen und Prioritäten zu setzen. Plötzlich war es nicht mehr schwer, zu scheinbar superattraktiven Angeboten Nein zu sagen, weil ich wusste, ob diese mich meinem großen Ziel näherbringen oder davon wegführen würden. Ein anderer Grund konnte sein, dass der Kontext nicht zu meinen Grundwerten passte.
Auch als Coach habe ich später oft in der Arbeit mit meinen Klient:innen die klärende und erstaunlich stärkende Wirkung von so einer Kompass-Justierung gesehen.
Mit der Zeit habe ich zwar auch andere, eigene Methoden entwickelt – so arbeite ich zum Beispiel gern mit Bildern, weil sie Erkenntnisse verdichten und im Gedächtnis schnell wieder abrufbar sind - aber unabhängig davon, wie das Thema angegangen wird, zeigte sich:
Die Menschen, die sich einmal intensiv dieser Auseinandersetzung gestellt haben, haben fast alle innerhalb von einem Jahr ihr Leben grundlegend verändert. Und damit ist nicht gemeint, dass sie einen Bruch hergestellt haben – das gab es natürlich vereinzelt auch, insbesondere bei Werte-Konflikten – meistens haben sie sich aber in ihrem bestehenden Umfeld anders positioniert, sind einen wichtigen Schritt mit mehr Überzeugung gegangen, haben einen Traum verwirklicht und vieles mehr.
Ich kann dich also nur ermutigen, jetzt weiterzulesen. Du erfährst hier, wie du das Thema für dich selbst angehen kannst.
Werde, wer du bist (frei nach Nietzsche)
Persönliche Entwicklungsziele helfen dir, als Person zu wachsen. Sie dienen dazu, dich deiner langfristigen Vision zu nähern und dich auf dem Weg dorthin ständig zu verbessern.
Deine eigene persönliche Vision für dein Leben wird dich zielgerichteter machen und dir helfen, Entscheidungen deinen Prioritäten entsprechend zu treffen. Sie erhöht außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass du deine Ziele erreichst.
Das Setzen persönlicher Ziele kann auch dein mentales Wohlbefinden verbessern, denn du kannst daran deine Fortschritte messen und erlebst deine Selbstwirksamkeit. So gewinnst du mehr Selbstvertrauen und glaubst immer mehr an deine Fähigkeit, dich immer weiter zu verbessern.
Bevor du dich allerdings solchen konkreten Zielen widmest, ist es, wie eingangs beschrieben, wichtig, dass du dir ein leuchtendes Bild von deiner langfristigen Zukunft ausmalst. Nur so kannst du sicher sein, dass du damit die Richtung einhältst und nicht vielleicht einfach einer Verlockung folgst, die zwar spannend klingt, dich aber weit weg von deinem ‚Lebens‘-Ziel führt.
Das kann zum Beispiel ein tolles Jobangebot sein, von dem alle um dich herum sagen: „Wow, das kannst du aber wirklich nicht ausschlagen!“
Gerade kürzlich erzählte mir ein junger Manager, dass er in eine wichtige Position in seinem Unternehmen befördert werden sollte und dass er im ersten Moment total begeistert war, weil sie ihm mehr Verantwortung, mehr Handlungsspielraum, mehr Sichtbarkeit – sie war direkt unter dem Vorstand angesiedelt – und natürlich auch mehr Bezahlung gebracht hätte. Das Vertrauen seines Unternehmens in seine Person und Leistung schien ihn geradezu zur Zusage zu verpflichten... und doch war er, nachdem er eine Nacht darüber geschlafen hatte, sicher, dass er das Angebot ablehnen musste. Er hätte sich dadurch zu lange an seinen Arbeitgeber gebunden, wo es doch eigentlich sein Traum war, eine eigene Unternehmens-Idee umzusetzen.
Von außen betrachtet scheint diese Entscheidung vielleicht verrückt, denn er ging damit ein hohes Risiko ein. Tatsächlich stieß das auch auf wenig Verständnis in seiner Umgebung, aber: Er selbst war sich eben sicher. Und genau deshalb ist es so wichtig, dass du zuallererst eine Vision von deinem weiteren Leben entwickelst.
Dazu musst du versuchen, dein rationales Denken zu überlisten und viel mehr dein Unbewusstes befragen, denn das ist in solchen Situationen ein weiser Berater.
Am besten funktioniert das, indem du deine Fantasie benutzt.
Eine gute erste Übung können die schon erwähnten Fragen zu deinem 80sten Geburtstag sein:
Schreib dir das Ergebnis auf. Das ist wichtig, damit es sich tiefer in dein Gedächtnis eingräbt und du es während der folgenden Übungen immer präsent hast.
Übung 2 erfordert all deine Vorstellungskraft: Du bekommst ganz unerwartet 10 Millionen Euro. Du musst keine Steuern darauf zahlen und darfst damit alles machen, was du möchtest:
Dieses Mal sollst du das Ergebnis bitte nicht aufschreiben, sondern malen oder zeichnen. Trau dich einfach – es kommt überhaupt nicht auf Perfektion an. Es kommt darauf an, dass du mit der Gehirnhälfte arbeitest (bei Rechtshändern die rechte), die nicht strukturiert und rational denkt, sondern assoziativ und synthetisch. Sie ist erheblich schneller in der Verarbeitung als die andere.
Wir alle haben kreative Fähigkeiten und wenn wir sie einsetzen, kommt das, was wir unsere Intuition nennen, zum Tragen. Sie ist, wenn es um faktische Themen geht, nicht immer absolut verlässlich, dennoch sollte sie immer beachtet werden, weil sie, wie gesagt, schneller da ist als das rationale Denken und unsere Entscheidungen daher – zu Recht oder zu Unrecht - immer beeinflusst. Im Fall von dieser Phantasiearbeit liefert sie uns aber vor allem wichtige tief verborgene Informationen zu unseren Bedürfnissen und Wünschen im Leben.
Während du zeichnest oder malst achte auf den Film, der in deinem Kopf abläuft:
Übung 3 ist die schwierigste, denn sie funktioniert nur mit einem Perspektiven-Wechsel: Weg von den Bildern, hin zu deren Bedeutung. Wenn du dir zum Beispiel ein Haus am Meer mit Zugang zum Strand erträumst, dann kann das für dich etwas ganz anderes bedeuten als für jemand anderen. Es geht also darum, herauszufinden, welche Qualitäten du in deinem Leben haben möchtest. Nimm jeden deiner größeren Wünsche – das gilt auch zum Beispiel für Themen wie ‚Eine Seelen-Partnerschaft und Kinder und Haustiere‘ – und frage dich nach seiner Bedeutung. Denn in jedem deiner Wünsche verstecken sich Qualitäten, die dein persönliches Leben reich und glücklich machen werden.
Allerdings nicht erst dann, wenn du das ‚Bild‘ erreicht hast, sondern heute beginnend, sonst bleibt das Bild am Ende hohl und bringt dir nicht das Gefühl, das du in deinem Film hattest.
Zum Beispiel:
Diese Ergebnisse musst du dir unbedingt aufschreiben, denn nur, wenn du diese Qualitäten ab heute vermehrst, ja, genau, in deinem jetzigen Leben, wird sich deine Lebensvision erfüllen – Möglicherweise im Haus am Meer. Es kann aber auch sein, dass du in der Realität etwas ganz anderes mit der gewünschten Qualität findest.
Wenn Du deine Visionsarbeit abgeschlossen hast, dann genieße die Bilder erst einmal und schlafe zwei Nächte darüber, damit sie Ihre volle Wirkung entfalten.
Jetzt bist du so weit, dass du dir persönliche Ziele setzen kannst. Du wirst sehen, dass es auf einmal viel leichter fällt, denn du weißt jetzt, was dir wirklich wichtig ist im Leben und kennst jetzt deine obersten Prioritäten. Alles, was du anpackst, sollte dich jetzt (auch) deinem großen Lebensziel und der Persönlichkeit, die du in deinem inneren Visions-Film bereits warst, näherbringen oder zumindest nicht langfristig davon entfernen.
Persönliche Ziele beziehen entsprechend auch alle Lebensbereiche ein. Also nicht nur dein berufliches Fortkommen mit Aufstieg und mehr finanziellem Spielraum, sondern auch deine physische und mentale Gesundheit, deine Beziehungsleben mit Partnerschaft, Familie und Freunden und auch Bereiche, die ganz dir selbst gewidmet sind, wie zum Beispiel Lernen, Reflektieren, ein Hobby pflegen.
Damit du deine Ziele nicht unverbindlich bleiben oder einfach wieder versanden (wir alle kennen das von den typischen Neujahrs-Vorsätzen), solltest du dir die Mühe machen, sie, wenn möglich nach der SMART-Formel zu verschriftlichen. Wenn du diese Formel schon aus beruflichen Zusammenhängen kennst, dann weißt du sicher, dass sie eine der wenigen ist, die wirklich funktioniert. Was häufig übersehen wird ist, dass sie auch auf alle „soften“ Themen anwendbar ist. Ich werde daher versuchen, die Formel noch einmal an einem solchen zu erklären.
Vorab aber noch ein wichtiger Hinweis: Damit dich deine Ziele motivieren und dir Lust machen, sie zu erreichen, müssen sie unbedingt positiv formuliert sein. Also kein „Weg von“, sondern ein „Hin zu“ benennen. Denn sonst zeigt dir dein Gehirn immer das demotivierende Bild dessen, was du nicht mehr möchtest, und schon bist du rückwärtsgewandt.
Hier ein kleiner Beweis: Bitte denke jetzt nicht an einen rosa Elefanten!
Na, hast du es gemerkt?
Es lässt sich einfach nicht vermeiden: Man denkt genau an das, an das man NICHT denken soll. Wenn du also formulierst: „Ich möchte nicht mehr...“, dann entsteht in die das demotivierende Bild vom negativen Ist-Zustand und nicht das motivierende von einer positiven Zukunft.
S (spezifisch)
M (messbar)
A (aktiv: was ich tun werde)
R (realistisch)
T (terminiert)
Formuliere für dich in ähnlicher Weise für jeden deiner Lebensbereiche. Dann schau noch einmal darauf, dass du dir nicht zu viel vornimmst, denn sonst enttäuschst du dich selbst, was häufig ein Grund ist, ganz aufzugeben. Manche Ziele beeinflussen oder bedingen einander auch, so dass sie keine ausgesprochene Mehrarbeit bedeuten.
Solltest du etwas nicht schaffen, frag dich, ob es wirklich realistisch war und was davon beim nächsten Anlauf machbar ist.
Am Baum der guten Vorsätze gibt es viele Blüten, aber wenig Früchte (frei nach Konfuzius)
Nun gilt es „nur noch“ dranzubleiben und die Umsetzung sicherzustellen. Das bedeutet vor allem, dass du schnell damit anfangen musst, weil unser Gehirn die Komfortzone bevorzugt und je länger die Zielsetzung her ist, desto mehr fällt es in sie zurück und die Motivation für den Start sinkt. Am besten machst Du deshalb innerhalb der ersten 72 Stunden einen ersten einleitenden Schritt.
In unserem Beispiel könnte das heißen:
Dann solltest du anderen von deinen Zielen erzählen, denn damit gibst du sozusagen ein Versprechen ab, wodurch dein Vorhaben verbindlicher wird.
Wenn du darüber hinaus diesen eingeweihten Personen auch noch regelmäßig von deinen Fortschritten berichtest, dann hast du die besten Chancen, deine Ziele zu erreichen.
Es gibt sogar Studien, die belegen, dass diese 3 Schritte ein gutes Erfolgsrezept sind:
Dr. Gail Matthews von der Dominican University of California in San Rafael teilte 247 Probanden in 5 Gruppen ein. Alle Teilnehmenden sollten sich Ziele überlegen, die sie in 4 Wochen erreicht haben wollten.
Gruppe 1 sollte die Ziele nur mündlich aussprechen
Gruppe 2 sollte sie zusätzlich schriftlich festhalten
Gruppe 3 sollte sich zusätzlich konkrete Maßnahmen notieren
Gruppe 4 sollte zusätzlich auch noch gegenüber einem Freund ein Commitment abgeben
Gruppe 5 sollte zusätzlich diesem Freund wöchentlich von den Fortschritten berichten
Von den Teilnehmenden der Gruppe 5 erreichten 76 % ihre Ziele und schnitten damit deutlich besser ab als alle anderen.*
Nun geht es bei Zielen, wie wir sie besprochen haben ja meist um längerfristige Vorhaben, aber dennoch gelten diese Regeln – nur die Fortschrittsberichte dürfen weniger engmaschig sein.
Natürlich kannst du dir auch selbst kleine Rituale ausdenken, die dir helfen, deine Ziele im Blick zu behalten und nachhaltig daran zu arbeiten.
Um deine persönlichen Ziele zu definieren, solltest du zunächst dein Lebensziel erkennen. Es ist sinnvoll, methodisch vorzugehen, um die Umsetzung deiner Vorhaben zu sichern, deine Fortschritte zu prüfen und schließlich deine Ziele zu erreichen.
Bei Visionsarbeit und Zielformulierung kann initial auch ein Coaching wie unsere crimalin Life Orientation & Navigation Journey eine große Unterstützung sein.
*https://scholar.dominican.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1265&context=news-releases
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