Gesunde Mitarbeitende, gesündere Unternehmen: was wirklich wirkt

Dr. Cristina Barth Frazzetta
Co-Founder, COO & Head Coach Life Orientation & Navigation
Inhaltsverzeichnis:

Der wirtschaftliche Hebel ist größer als gedacht

Laut den Berechnungen des McKinsey HealthInstitute könnten Investitionen in eine ganzheitliche Mitarbeitendengesundheit, also körperlich, mental, sozial und spirituell, weltweit zwischen 3,7 und 11,7 Billionen US-Dollar an wirtschaftlichem Wert freisetzen. Umgerechnet auf die weltweit arbeitenden Bevölkerung sind das rund 1.100 bis 3.500 US-Dollar pro Person.

Das vielleicht Überraschendste daran: Weniger Fehltagen oder geringerer Fluktuation sind zwar wichtig, aber der größte Hebelliegt in der gesteigerten Produktivität und darin, sogenannten Präsentismus zu reduzieren. Präsentismus bezeichnet jene Situationen, in denen Menschen zwar anwesend, aber durch mentale oder physische gesundheitliche Belastungen eigentlich nicht wirklich leistungsfähig sind. Dieser Bereich macht nach den Angaben des Reports zwischen 54 und 77 Prozent des gesamten Potenzials aus.

Wie es um unsere Arbeitswelt wirklich steht

Für den Report wurden über 30.000 Beschäftigtein 30 Ländern befragt. Das Ergebnis stimmt nachdenklich: Nur 57 Prozent gabenan, sich ganzheitlich gesund zu fühlen. Ein Fünftel zeigte Anzeichen von Burnout.

Besonders betroffen sind dabei Frauen, LGBTQI+-Personen, neurodivergente Menschen, jüngere Beschäftigte sowie Menschenmit geringerer formaler Bildung oder niedrigerem Einkommen. Und das ist kein Randphänomen, denn zusammengenommen bilden diese Gruppen nicht die Minderheit, sondern die Mehrheit der Belegschaft.

Sechs Prinzipien, die den Unterschied machen

Der Report beschreibt sechs Leitlinien, andenen sich Unternehmen orientieren können:

1.    Die eigene Ausgangslage und das Wertpotenzial verstehen, zum Beispiel durch Befragungen.

2.    NachhaltigeInitiativen entwickeln statt vereinzelter Einmalaktionen.

3.    Neue Ansätze zunächst als Pilotprojekte testen.

4.    Den Erfolg an drei bis fünf klaren Kennzahlen messen.

5.    Verbindliche Unterstützung aus der Führungsebene sicherstellen.

6.    Gesundheitfest in die Unternehmenskultur einbetten.

Was in der Praxis funktioniert

Besonders spannend sind die Beispiele aus der Praxis, die der Report nennt.

Der Sportartikelhersteller On erzielte miteinem Wohlbefindens-Programm einen Return of Invest, der das 11,6-fache derInvestition betrug, nämlich rund 2,9 Millionen US-Dollar jährlich.

Ikea Canada führte sogenannte Wellness Daysein: bis zu zwölf zusätzliche freie Tage pro Jahr, die flexibel genutzt werdenkönnen (etwa für die Pflege kranker Angehöriger, ehrenamtliches Engagement, die Tilnahme an Community-Events, Selbstfürsorge oder auch einfach Zeit mit einemneuen Haustier). Ergänzt wurde das durch eine Partnerschaft mit der Mental Health Commission of Canada. Das Ergebnis: Die Fluktuation sank von 35 auf 24,5 Prozent.

Der Krankenversicherer Vitality setzte auf einganzes Maßnahmenpaket aus Gesundheits-Check-ups, psychologischer Beratung, Trainings zur psychischen Gesundheit, gemeinsamen Mittagsspaziergängen mit Führungskräften und medizinischer Unterstützung. Die Wirkung war deutlich: 50 Prozent weniger Präsentismus, 28 Prozent weniger Fehltage und eine um 46 Prozent schnellere Genesung nach Krankheit.

Der gemeinsame Nenner

Was all diese Erfolgsgeschichten verbindet, ist kein Zufall. Es geht nie um punktuelle Einzelmaßnahmen, sondern um strukturell verankerte Angebote, häufig direkt aus dem Feedback der Mitarbeitenden heraus entwickelt und von der Führungsebene aktiv mitgetragen, statt allein auf der Personalabteilung zu lasten.

Was das für dich bedeutet

Die Botschaft dieses Reports ist ermutigend: Wer in die ganzheitliche Gesundheit seiner Mitarbeitenden investiert, tut nicht nur etwas Gutes für die Menschen, sondern auch für das Unternehmen selbst.

Genau hier setzt unser Verständnis von Coachingan: salutogen, vorausschauend und an den Hebeln, die ihr selbst in der Handhabt.

Wenn du überlegst, wie sich Gesundheit auch indeinem Team oder Unternehmen nachhaltig verankern lässt, begleiten wir dichgern ein Stück auf diesem Weg.

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Literatur

McKinsey Health Institute, „Thriving Workplaces: How Employers Can ImproveProductivity and Change Lives“, Bericht vom 16. Januar 2025 (Autorinnen undAutoren: Barbara Jeffery, Brooke Weddle, Jacqueline Brassey, Shail Thaker). DerBericht stützt sich zudem auf Studien der University of Oxford, der SaïdBusiness School, der Harvard Business School, von S&P Global sowie aufeigene Umfragedaten aus 30 Ländern.

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